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Priester sind keine Moralwächter, sondern Vermittler zur geistigen Welt.

T.R.E.Lentze ⌂, Dienstag, 07. März 2017, 10:44 (vor 142 Tagen) @ Der/Anarchist

Für mich ist der Priester deshalb eben nicht moralisch "kompetent", da ich diese höhere Welt als nicht existent ansehe.

Es liegt mir fern, dich von höheren Welten überzeugen zu wollen. Denn es ist eine Schicksalsfrage, ob sich einem diese Bereiche erschließen, daß heißt im einfachsten Falle, daß man zunächst zu einer eher intuitiven Gewißheit kommt. Es kann ja auch niemand argumentativ überzeugt werden, einen anderen Menschen zu lieben.

Doch davon abgesehen ist deine Begründung für deine Einschätzung des Priesters nicht ganz sauber. Wenn sich ein Mensch aus Überzeugung höheren Welten zuwendet, dann relativiert er damit zugleich seine Beziehung zur irdischen Welt. In dem Maße, als er seine Treue zu den Wesen der höheren Welten lebt (der Begriff "Gott" ist nicht gerade präzise), wird er untreu in Hinblick auf andere Belange. Daher die Aussage Jesu (-u ist die Genitivform): "Wer nicht seine Eltern und Geschwister, ja selbst sein Ego verläßt, der wird mir nicht folgen können." Der Begriff "Nächstenliebe" ist insofern irreführend, weil man da sofort an seine Verwandten und an die Bekannten seines persönlichen Umfeldes denkt, also an die unfreiwillig gewachsenen oder entstandenen Beziehungen. Aber die soll der Christ ja gerade relativieren.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, daß die Welten, an die der Priester sich gebunden weiß, nicht unbedingt existieren müssen, um seine Moral in der bezeichneten Weise zu verändern. Das Argument, "der Gott, an den der Christ glaubt, den gibt es ja gar nicht", sollte also nicht zu dem Schluß verleiten, daß der Christ auch keine eigene Moral haben könne. "Der Glaube versetzt Berge", und mit dem Glauben ist hier der Glaube an jemandem gemeint. Wir kennen das aus der Pädagogik: Aus einem bis dahin vernachlässigten Kind "kann etwas werden", wenn man an es glaubt! Der Glaube ist schöpferisch und insofern auch moralisch.

Daß immer weniger Priester und formelle Christen wirklich glauben und somit das Christentum verraten, d.h. zur Evolution nichts mehr beitragen, vielmehr stagnieren, ist freilich ein traurige Sache. Zur Zeit gilt: Wer nicht evoluiert, der devoluiert.

Gruß
trel


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