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Die "Junge Freiheit" mag feminismuskritische Leserkommentare nicht.

T.R.E.Lentze ⌂, Freitag, 22. Januar 2016, 10:53 (vor 490 Tagen)

Immer wieder liest man Klagen von kommentierenden Lesern, deren Kommentare in den Medien nicht veröffentlicht oder nachträglich gelöscht wurden, obwohl sie keineswegs gegen die Netiquette verstoßen. Meist handelt es sich um Meinungen, die vom linksgrünen Zeitungs-Mainstream abweichen. Einige der betroffenen Leser haben von derartigen Erfahrungen auch in den Kommentarspalten der JF berichtet und die tolerantere Haltung der JF lobend hervorgehoben.

Meine Erfahrung zeigt mir indessen, daß die JF, wenn es um Feminismuskritik geht, auch nicht leser-freundlicher ist als z.B. Spiegel-Online (SPON). Immer wieder mußte ich nämlich erfahren, daß derartige Kommentare von mir um Stunden oder auch um einen Tag verspätet veröffentlicht oder gar gelöscht wurden. Auf telefonische Rückfragen bekam ich ausweichende Antworten ("technische Probleme"), was mich zuletzt veranlaßte, meine Zuwendungen einzustellen.

Um die Sache zu verdeutlichen, beziehe ich mich auf den gestern erschienenen Titel Imam macht Opfer von Sexattacken für Übergriffe verantwortlich. Ich gebe den Text seiner Kürze wegen vollständig wieder:

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KÖLN. Der Kölner Salafisten-Prediger Sami Abu-Yusuf hat die Frauen eine Mitschuld an den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht durch ausländische Männer gegeben. „Einer der Gründe weswegen muslimische Männer Frauen vergewaltigten oder belästigten, ist, wie sie gekleidet waren. Wenn sie halbnackt und parfümiert herumlaufen, passieren eben solche Dinge. Das ist wie Öl ins Feuer gießen!“, sagte er dem russischen Sender REN TV.

Der Grünen-Politiker Volker Beck gab daraufhin auf Twitter bekannt, er habe gegen Sami Abu-Yusuf Strafanzeige gestellt, unter anderem wegen der möglichen Billigung von Straftaten.

Laut dem Kölner Expreß ist der Salafisten-Prediger schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem Blatt, daß die Moschee in Köln-Kalk unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehe und als salafistisch-extremistisch eingestuft werde. (krk)

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Dazu mein Kommentar von gestern:

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Thomas Lentze meint

21. Januar 2016 um 19:04

Ihr Kommentar wartet auf Freischaltung.

Mit dem, was hier zitiert wird, hat der Mann vollkommen recht. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob er von unserem "Verfassungsschutz" (wir haben keine Verfassung) beobachtet wird oder nicht. Denn der sogenannte Verfassungsschutz hat auch z.B. die JF beobachtet. Die Tatsache
der Beobachtung ist jedenfalls kein Wahrheits-Kriterium.

Er spricht von einer Mitschuld, nicht von einer Totalschuld der Frauen. Früher hat man das bei uns auch so gesehen, und so wird es heute noch in Polen und anderswo in Osteuropa gesehen.

Anstatt nun, wie leider wiederholt geschehen, die männliche Sexualität als solche zu problematisieren, könnte man doch auch mal die weibliche Sexualität als solche problematisieren. Wer ist es denn, der durch Kleidung und Accessoirs (Lippenstift, Schminke usw.) sexuell provoziert? Sind wir Männer das? Nein. Wir fallen bloß darauf herein, was natürlich auch eine Schwäche ist. Aber keine Frau wird gezwungen, die männliche Schwäche gegenüber erotischen Reizen auszunutzen.

Daß die Einwanderer im Allgemeinen und die Salafisten im Besonderen ausgewiesen gehören, ist eine ganz andere Sache, die unabhängig von obigen Erwägungen zu exekutieren ist.

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Soweit mein - bis jetzt nicht freigeschalteter - Kommentar.

Inzwischen sind 32 andere Kommentare freigeschaltet worden, die überwiegend keine neue Erkenntnisse bringen und sich vor Allem nicht durch Differenzierung auszeichnen, vielmehr eine diffuse, ziemlich negative Stimmungslage widerspiegeln.

Nachtrag: Inzwischen ist der Kommentar freigeschaltet, Stand 22. Januar um 11:36. Man muß jetzt 51 Beiträge weit zurückrollen, um ihn aufzufinden. Diese Mühe machen sich natürlich nicht mehr alle Leser. Darin sehe ich das Kalkül des späten Freischaltens.

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Fazit:

Zwar thematisiert die JF kritisch die Auswüchse des Genderismus. Inbezug auf den Feminismus fehlt jedoch die konservative Haltung völlig. Männerfeindliche Politik wird nicht wahrgenommen. Der Grund mag sein, daß konservative Menschen verhältnismäßig häufig glücklich verheiratet sind, sich also von vornherein nicht auf Experimente mit "modernen" Weibern eingelassen haben. Sie sind daher nicht in der Lage, die Lage betroffener Männer nachzuempfinden, ja die diesbezügliche politische Problemlage überhaupt wahrzunehmen.

Man sollte das differenziert sehen: Daß konservative Menschen, darunter die der JF zugehörigen, keine der bezeichneten Probleme haben (oder zumindest weniger häufig), spricht für die konservative - also politisch rechts orientierte - Einstellung. Das Vermögen, über den familiären Tellerrand hinauszublicken, erhöht sich dadurch jedoch nicht. Objektivität ist keiner politischen Seite zuzuordnen.

trel
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